Forschungsthemen für Abschlussarbeiten

Abschlussarbeitsthemen zur Umweltpsychologie sind in der Regel in laufende Forschungsprojekte eingebunden, es wird daher empfohlen, auch direkt mit den ProjektmitarbeiterInnen Kontakt aufzunehmen. Aktuell sind Arbeiten zu folgenden Themen zu vergeben, es sind aber auch Themen nach individueller Absprache möglich.

 


 

 

Häusliche Lebensmittelverschwendung vermeiden

Weltweit werden etwa 1.3 Milliarden Tonnen Lebensmittel weggeworfen statt von Menschen konsumiert. Dabei dominiert in Industrienationen vor allem die Verschwendung von Lebensmittel (food waste), d.h. Lebensmittel, die eigentlich für den menschlichen Konsum geeignet sind, werden bewusst weggeworfen/ nicht rechtzeitig konsumiert. Privathaushalte wurden in diesem Zusammenhang als die stärksten Verursacher von Lebensmittelverschwendung in Industriestaaten identifiziert. Neben weitreichenden ökonomischen und sozialen Auswirkungen, hat dieses hohe Aufkommen von Lebensmittelabfällen jedoch vor allem  auch massive ökologische Auswirkungen: So bedeutet die damit einhergehende unnötige Produktion von letztlich weggeworfenen Lebensmitteln eine  unnötige Produktion klimaschädlicher Treibhausgasemissionen, unnötigen Verbrauch begrenzter natürlicher Ressourcen, wie Wasser und Landfläche sowie eine unnötige Bedrohungen der natürlichen Biodiversität an Land & im Wasser. Die Entwicklung effektiver Interventionsstrategien zur Vermeidung häuslicher Lebensmittelverschwendung stellt somit ein bedeutsames Handlungsfeld zur Förderung globaler Nachhaltigkeit dar.

Um häusliche Lebensmittelverschwendung effektiv vermeiden oder zumindest reduzieren zu können, müssen jedoch jene Verhaltensweisen näher untersucht werden, die die Menge häuslicher Lebensmittelverschwendung beeinflussen können (lebensmittelverschwendungsverbundene Verhaltensweisen). Dazu zählen viele verschiedene Verhaltensweisen von der Vorausplanung von Mahlzeiten und Lebensmitteleinkäufen und dem Einkaufverhalten im Supermarkt selbst über die Lagerung und Zubereitung der Lebensmittel im Haushalt bis hin zu ihrer Entsorgung. In diesem Zusammenhang ist zu vermuten, dass nicht nur der Einfluss der einzelnen Verhaltensweisen auf die Menge verschwendeter Lebensmittel im Haushalt von den Haushaltsmitglieder unterschiedlich stark wahrgenommen wird, sondern die einzelnen Verhaltensweisen auch von verschiedenen anderen Prädiktoren beeinflusst werden.

Vor diesem Hintergrund könnten folgende Themen im Rahmen einer Abschlussarbeit bearbeitet werden:

  • Eine empirisch basierte Untersuchung zu den individuellen Einflussfaktoren auf ausgewählte lebensmittelverschwendungsverbundene Verhaltensweisen (insbesondere das Spontankauverhalten im Supermarkt, den Umgang mit Zubereitungsresten und den Konsum von Lebensmitteln mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum) unter Berücksichtigung bekannter (umwelt-)psychologischer Handlungsmodelle

  • Eine empirisch basierte Untersuchung zum wahrgenommenen Zusammenhang zwischen der Ausführung verschiedener lebensmittelverschwendungsverbundener Verhaltensweisen und ihrem Einfluss auf die Menge verschwendeter Lebensmittel im Haushalt

  • Die Entwicklung, Umsetzung und Evaluation eigener Interventionsvorhaben zur Veränderung ausgewählter lebensmittelverschwendungsverbundener Verhaltensweisen (insbesondere das Spontankauverhalten im Supermarkt, den Umgang mit Zubereitungsresten und den Konsum von Lebensmitteln mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum)
     

Roodhuyzen, D. M. A., Luning, P. A., Fogliano, V., & Steenbekkers, L. (2017). Putting together the puzzle of consumer food waste: Towards an integral perspective. Trends in Food Science & Technology, 68, 37-50.

Aschemann-Witzel, J., Giménez, A., & Ares, G. (2018). Consumer in-store choice of suboptimal food to avoid food waste: the role of food category, communication and perception of quality dimensions. Food Quality and Preference, 68, 29-39.

Schmidt, K. (2016). Explaining and promoting household food waste-prevention by an environmental psychological based intervention study. Resources, Conservation and Recycling, 111, 53-66.


Ansprechpartnerin: Karolin Schmidt


 

 

Landschaftszerstörung durch den Ausbau erneuerbarer Energien - Umweltbewusstsein als Moderator der Landschaftsbewertung?

Umweltfreundliche Energie oder subventionierte Landschaftszerstörung? Die Bedeutung regenerativer Energien nimmt immer mehr zu, gleichzeitig regt sich Widerstand gegen den Bau neuer Anlagen (z.B. Windkraftanlagen). Die Argumente gegen diese Anlagen reichen von naturschutzfachlichen bis zu landschaftsästhetischen Bedenken.

Die visuellen Wirkungen scheinen neben der Lärmbelästigung die bedeutendsten Formen der Belästigung durch Windenergieanlagen (WEA) zu sein (Devine-Wright, 2005). Hier steht besonders die Veränderung des Landschaftsbilds im Vordergrund.

Werden ästhetische Urteile hier möglicherweise durch umweltrelevante Einstellungen moderiert? Gibt es besonders sensible Landschaftstypen?


Mögliche Inhalte einer Abschlussarbeit:

  • Untersuchung des Einflusses umweltrelevanter Einstellungen auf die Beurteilung unterschiedlich stark bebauter Landschaftsausschnitte mittels eines experimentellen Designs

  • Zusätzlich: Charakterisierung der Sensibilität verschiedener Landschaftstypen in Bezug auf die ästhetische Bewertung durch Variieren der Landschaftstypen (Variation der Bebauungsintensität sowie der Landschaftstypen mit Bildbearbeitung möglich).

 

Devine-Wright, P. (2005). Beyond NIMBYism: Toward an integrated framework for understanding public perceptions of wind energy. Wind Energy, 8, 125-139. 

Guski, R. & Blöbaum, A. (2008). Umweltwahrnehmung und Umweltbewertung. In E. D. Lantermann & V. Linneweber (Hrsg.), Umweltpsychologie Band 1: Grundlagen, Paradigmen und Methoden der Umweltpsychologie (S. 443-470). Göttingen: Hogrefe.

Herzog, T. R. (1988). A Cognitive Analysis of Preference for Field and Forest Environments. In J. L. Nasar (Ed.), Environmental Aesthetics (pp: 343-356). Cambridge: University Press.

Kaltenborn, B. P. & Bjekre, T. (2002). Associations between environmental value orientations and landscape preferences. Landscape and Urban Planning, 59, 1-11.

Nohl, W. (2001). Ästhetisches Erlebnis von Windkraftanlagen. Naturschutz und Landschaftsplanung, 33, (12), 365-372.


Ansprechpartnerin: Anke Blöbaum


 

 

Merkmale eines nachhaltigen Lebensmittelkonsums privater VerbraucherInnen 

Konsumentscheidungen privater VerbraucherInnen im Lebensmittelbereich haben nicht zuletzt aufgrund der Häufigkeit, mit der diese Entscheidungen alltäglich getroffen werden, einen bedeutenden Einfluss auf unsere Umwelt. So bedingen diese Entscheidungen maßgeblich Art und Umfang der globalen Lebensmittelproduktion und somit auch Art und Umfang derUmweltauswirkungen, die mit eben dieser Produktion verbunden sind. Dazu zählen insbesondere der Verbrauch begrenzter natürlicher Ressourcen (z.B. Wasser, Land und Energie), die umfangreiche Produktion von Treibhaushausgasemissionen sowie starke Gefährdungen der natürlichen Biodiversität an Land und in den Meeren. Die Förderung eines nachhaltigen Lebensmittelkonsums privater VerbraucherInnen stellt damit einen vielversprechenden Ansatz zur Förderung globaler Nachhaltigkeit dar.

Doch welche Merkmale bzw. Konsummuster kennzeichnen eigentlich einen nachhaltigen Lebensmittelkonsum? So spielen beispielsweise die Art der Lebensmittel (z.B. tierisch vs. pflanzlich), ihre Produktion (konventionell vs. biologisch zertifiziert), zurückgelegte Transportwege (z.B. regional erzeugte Lebensmittel vs. Lebensmittel aus dem Ausland) oder auch der tatsächliche Konsum der Lebensmittel (zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung) eine wichtige Rolle.


Vor diesem Hintergrund könnten folgende Themen im Rahmen einer Abschlussarbeit bearbeitet werden:

  • Eine literatur-und/ oder empirisch basierte Analyse relevanter Determinanten ausgewählter Formen eines nachhaltigen Lebensmittelkonsums unter Berücksichtigung bewährter (umwelt-)psychologischer Handlungsmodelle.

  • Eine empirische Untersuchung möglicher Zusammenhänge zwischen verschiedenen Formen eines nachhaltigen Lebensmittelkonsums.

  • Eine empirische Untersuchung zu individuellen Handlungsmotiven und -barrieren, die für den privaten Lebensmittelkonsum grundsätzlich - und damit letztlich auch für einen nachhaltigen Lebensmittelkonsum - handlungsleitend sein können (z.B. Umweltschutz, Gesundheits-, Tierschutz-, Gerechtigkeits-, Geldsparmotive u.v.m.).

  • Die Entwicklung, Umsetzung und Evaluation eigener Interventionsvorhaben zur Förderung ausgewählter Formen eines nachhaltigen Lebensmittelkonsums.

  

Klöckner, C. A. (2015). The psychology of pro-environmental communication going beyond standard information strategies. Houndmills, Basingstoke, Hampshire, New York: Palgrave Macmillan. Kapitel 2, S. 41-44.

Reisch, L., Eberle, U., & Lorek, S. (2013). Sustainable food consumption: an overview of contemporary issues and policies. Sustainability: Science, Practice, & Policy, 9(2), 7-25.

Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz (MULEWF). (2015). Nachhaltige Ernährung - Was unser Essen mit Klimaschutz und Welternährung zu tun hat. Heruntergeladen von: http://mulewf.rlp.de/fileadmin/mufv/publikationen/Nachhaltige_Ernaehrung_RLP_16.09.2015.pdf [01.10.2015].


Ansprechpartnerin: Karolin Schmidt
 

Letzte Änderung: 01.12.2021 - Ansprechpartner:

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