Forschungsthemen für Abschlussarbeiten

Abschlussarbeitsthemen zur Umweltpsychologie sind in der Regel in laufende Forschungsprojekte eingebunden, es wird daher empfohlen, auch direkt mit den ProjektmitarbeiterInnen Kontakt aufzunehmen. Aktuell sind Arbeiten zu folgenden Themen zu vergeben, es sind aber auch Themen nach individueller Absprache möglich.

 


 

Entwicklung eines Interventionsprogramms zum Einsparen von Wärmeenergie in den Gebäuden der OVGU für den Herbst/ Winter 2022/23

Nicht zuletzt der Ukraine-Krieg und die damit verbundenen Teuerungsraten für Energieträger aller Art stellen nicht nur Privathaushalte, sondern auch Bildungseinrichtungen wie unsere Universität vor große Herausforderungen. Insbesondere mit Blick auf die kommende Heizperiode 2022/23 erfordern die zunehmenden Energiepreissteigerungen akutes (Interventions-)Handeln.

Vor diesem Hintergrund haben wir, die Abteilung Umweltpsychologie, es uns zur Aufgabe gemacht, ein umweltpsychologisch-basiertes Interventionsprogramm für die OVGU zu entwickeln, mit dessen Hilfe die Universität insbesondere ihren hohen Bedarf an Wärmeenergie in der kommenden Heizperiode effektiv senken kann.

Entwickelt werden soll das Interventionsprogramm dabei sowohl in enger Zusammenarbeit bzw. Abstimmung zwischen den Mitarbeiter*innen der Abteilung Umweltpsychologie und dem Universitäts-/ Gebäudemanagement der OVGU, sowie auf Basis eines wissenschaftlich fundierten und empirisch evaluierten Prozesses. So sollen bereits vor der Auswahl und Ausgestaltung konkreter Interventionsmaßnahmen besonders relevante Zielgruppen (z.B. wissenschaftliches Personal, Verwaltungspersonal, Studierende) und Settings (z.B. bestimmte Gebäudearten) zum Einsparen von Wärmeenergie an der OVGU identifiziert werden. Weiterhin sollen unterschiedliche Gestaltungs-/ Umsetzungsformen geeigneter Interventionsmaßnahmen in ihrer Wirksamkeit empirisch gegeneinander getestet und auf dieser Basis letztlich ein optimales Interventionsprogramm zusammengestellt werden, welches im Laufe des Jahres 2022 an der OVGU praktisch umgesetzt und in seiner Wirkung umfassend evaluiert werden wird.

Für Studierende unseres Masterschwerpunkts ergeben sich hier vielfältige Möglichkeiten zur Beteiligung an der Entwicklung, praktischen Umsetzung und auch an der wissenschaftlichen Evaluation des geplanten Interventionsprogramms im Rahmen eigener Masterarbeitsprojekte.


Ansprechpartnerin: Karolin Schmidt


 

Häusliche Lebensmittelverschwendung vermeiden

Weltweit werden etwa 1.3 Milliarden Tonnen Lebensmittel weggeworfen statt von Menschen konsumiert. Dabei dominiert in Industrienationen vor allem die Verschwendung von Lebensmittel (food waste), d.h. Lebensmittel, die eigentlich für den menschlichen Konsum geeignet sind, werden bewusst weggeworfen/ nicht rechtzeitig konsumiert. Privathaushalte wurden in diesem Zusammenhang als die stärksten Verursacher von Lebensmittelverschwendung in Industriestaaten identifiziert. Neben weitreichenden ökonomischen und sozialen Auswirkungen, hat dieses hohe Aufkommen von Lebensmittelabfällen jedoch vor allem  auch massive ökologische Auswirkungen: So bedeutet die damit einhergehende unnötige Produktion von letztlich weggeworfenen Lebensmitteln eine  unnötige Produktion klimaschädlicher Treibhausgasemissionen, unnötigen Verbrauch begrenzter natürlicher Ressourcen, wie Wasser und Landfläche sowie eine unnötige Bedrohungen der natürlichen Biodiversität an Land & im Wasser. Die Entwicklung effektiver Interventionsstrategien zur Vermeidung häuslicher Lebensmittelverschwendung stellt somit ein bedeutsames Handlungsfeld zur Förderung globaler Nachhaltigkeit dar.

Um häusliche Lebensmittelverschwendung effektiv vermeiden oder zumindest reduzieren zu können, müssen jedoch jene Verhaltensweisen näher untersucht werden, die die Menge häuslicher Lebensmittelverschwendung beeinflussen können (lebensmittelverschwendungsverbundene Verhaltensweisen). Dazu zählen viele verschiedene Verhaltensweisen von der Vorausplanung von Mahlzeiten und Lebensmitteleinkäufen und dem Einkaufverhalten im Supermarkt selbst über die Lagerung und Zubereitung der Lebensmittel im Haushalt bis hin zu ihrer Entsorgung. In diesem Zusammenhang ist zu vermuten, dass nicht nur der Einfluss der einzelnen Verhaltensweisen auf die Menge verschwendeter Lebensmittel im Haushalt von den Haushaltsmitglieder unterschiedlich stark wahrgenommen wird, sondern die einzelnen Verhaltensweisen auch von verschiedenen anderen Prädiktoren beeinflusst werden.

Vor diesem Hintergrund könnten folgende Themen im Rahmen einer Abschlussarbeit bearbeitet werden:

  • Eine empirisch basierte Untersuchung zu den individuellen Einflussfaktoren auf ausgewählte lebensmittelverschwendungsverbundene Verhaltensweisen (insbesondere das Spontankauverhalten im Supermarkt, den Umgang mit Zubereitungsresten und den Konsum von Lebensmitteln mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum) unter Berücksichtigung bekannter (umwelt-)psychologischer Handlungsmodelle

  • Eine empirisch basierte Untersuchung zum wahrgenommenen Zusammenhang zwischen der Ausführung verschiedener lebensmittelverschwendungsverbundener Verhaltensweisen und ihrem Einfluss auf die Menge verschwendeter Lebensmittel im Haushalt

  • Die Entwicklung, Umsetzung und Evaluation eigener Interventionsvorhaben zur Veränderung ausgewählter lebensmittelverschwendungsverbundener Verhaltensweisen (insbesondere das Spontankauverhalten im Supermarkt, den Umgang mit Zubereitungsresten und den Konsum von Lebensmitteln mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum)
     

Roodhuyzen, D. M. A., Luning, P. A., Fogliano, V., & Steenbekkers, L. (2017). Putting together the puzzle of consumer food waste: Towards an integral perspective. Trends in Food Science & Technology, 68, 37-50.

Aschemann-Witzel, J., Giménez, A., & Ares, G. (2018). Consumer in-store choice of suboptimal food to avoid food waste: the role of food category, communication and perception of quality dimensions. Food Quality and Preference, 68, 29-39.

Schmidt, K. (2016). Explaining and promoting household food waste-prevention by an environmental psychological based intervention study. Resources, Conservation and Recycling, 111, 53-66.


Ansprechpartnerin: Karolin Schmidt


 

 

Landschaftszerstörung durch den Ausbau erneuerbarer Energien - Umweltbewusstsein als Moderator der Landschaftsbewertung?

Umweltfreundliche Energie oder subventionierte Landschaftszerstörung? Die Bedeutung regenerativer Energien nimmt immer mehr zu, gleichzeitig regt sich Widerstand gegen den Bau neuer Anlagen (z.B. Windkraftanlagen). Die Argumente gegen diese Anlagen reichen von naturschutzfachlichen bis zu landschaftsästhetischen Bedenken.

Die visuellen Wirkungen scheinen neben der Lärmbelästigung die bedeutendsten Formen der Belästigung durch Windenergieanlagen (WEA) zu sein (Devine-Wright, 2005). Hier steht besonders die Veränderung des Landschaftsbilds im Vordergrund.

Werden ästhetische Urteile hier möglicherweise durch umweltrelevante Einstellungen moderiert? Gibt es besonders sensible Landschaftstypen?


Mögliche Inhalte einer Abschlussarbeit:

  • Untersuchung des Einflusses umweltrelevanter Einstellungen auf die Beurteilung unterschiedlich stark bebauter Landschaftsausschnitte mittels eines experimentellen Designs

  • Zusätzlich: Charakterisierung der Sensibilität verschiedener Landschaftstypen in Bezug auf die ästhetische Bewertung durch Variieren der Landschaftstypen (Variation der Bebauungsintensität sowie der Landschaftstypen mit Bildbearbeitung möglich).

 

Devine-Wright, P. (2005). Beyond NIMBYism: Toward an integrated framework for understanding public perceptions of wind energy. Wind Energy, 8, 125-139. 

Guski, R. & Blöbaum, A. (2008). Umweltwahrnehmung und Umweltbewertung. In E. D. Lantermann & V. Linneweber (Hrsg.), Umweltpsychologie Band 1: Grundlagen, Paradigmen und Methoden der Umweltpsychologie (S. 443-470). Göttingen: Hogrefe.

Herzog, T. R. (1988). A Cognitive Analysis of Preference for Field and Forest Environments. In J. L. Nasar (Ed.), Environmental Aesthetics (pp: 343-356). Cambridge: University Press.

Kaltenborn, B. P. & Bjekre, T. (2002). Associations between environmental value orientations and landscape preferences. Landscape and Urban Planning, 59, 1-11.

Nohl, W. (2001). Ästhetisches Erlebnis von Windkraftanlagen. Naturschutz und Landschaftsplanung, 33, (12), 365-372.


Ansprechpartnerin: Anke Blöbaum


 

 

Merkmale eines nachhaltigen Lebensmittelkonsums privater VerbraucherInnen 

Konsumentscheidungen privater VerbraucherInnen im Lebensmittelbereich haben nicht zuletzt aufgrund der Häufigkeit, mit der diese Entscheidungen alltäglich getroffen werden, einen bedeutenden Einfluss auf unsere Umwelt. So bedingen diese Entscheidungen maßgeblich Art und Umfang der globalen Lebensmittelproduktion und somit auch Art und Umfang derUmweltauswirkungen, die mit eben dieser Produktion verbunden sind. Dazu zählen insbesondere der Verbrauch begrenzter natürlicher Ressourcen (z.B. Wasser, Land und Energie), die umfangreiche Produktion von Treibhaushausgasemissionen sowie starke Gefährdungen der natürlichen Biodiversität an Land und in den Meeren. Die Förderung eines nachhaltigen Lebensmittelkonsums privater VerbraucherInnen stellt damit einen vielversprechenden Ansatz zur Förderung globaler Nachhaltigkeit dar.

Doch welche Merkmale bzw. Konsummuster kennzeichnen eigentlich einen nachhaltigen Lebensmittelkonsum? So spielen beispielsweise die Art der Lebensmittel (z.B. tierisch vs. pflanzlich), ihre Produktion (konventionell vs. biologisch zertifiziert), zurückgelegte Transportwege (z.B. regional erzeugte Lebensmittel vs. Lebensmittel aus dem Ausland) oder auch der tatsächliche Konsum der Lebensmittel (zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung) eine wichtige Rolle.

Vor diesem Hintergrund könnten folgende Themen im Rahmen einer Abschlussarbeit bearbeitet werden:

  • Eine literatur-und/ oder empirisch basierte Analyse relevanter Determinanten ausgewählter Formen eines nachhaltigen Lebensmittelkonsums unter Berücksichtigung bewährter (umwelt-)psychologischer Handlungsmodelle.

  • Eine empirische Untersuchung möglicher Zusammenhänge zwischen verschiedenen Formen eines nachhaltigen Lebensmittelkonsums.

  • Eine empirische Untersuchung zu individuellen Handlungsmotiven und -barrieren, die für den privaten Lebensmittelkonsum grundsätzlich - und damit letztlich auch für einen nachhaltigen Lebensmittelkonsum - handlungsleitend sein können (z.B. Umweltschutz, Gesundheits-, Tierschutz-, Gerechtigkeits-, Geldsparmotive u.v.m.).

  • Die Entwicklung, Umsetzung und Evaluation eigener Interventionsvorhaben zur Förderung ausgewählter Formen eines nachhaltigen Lebensmittelkonsums.

  

Klöckner, C. A. (2015). The psychology of pro-environmental communication going beyond standard information strategies. Houndmills, Basingstoke, Hampshire, New York: Palgrave Macmillan. Kapitel 2, S. 41-44.

Reisch, L., Eberle, U., & Lorek, S. (2013). Sustainable food consumption: an overview of contemporary issues and policies. Sustainability: Science, Practice, & Policy, 9(2), 7-25.

Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz (MULEWF). (2015). Nachhaltige Ernährung - Was unser Essen mit Klimaschutz und Welternährung zu tun hat. Heruntergeladen von: http://mulewf.rlp.de/fileadmin/mufv/publikationen/Nachhaltige_Ernaehrung_RLP_16.09.2015.pdf [01.10.2015].


Ansprechpartnerin: Karolin Schmidt

 


 

Klimawirksamkeitswissen und seine Auswirkung auf High-Impact-Verhalten

Ein überzeugendes Argument dafür, wie Psycholog*innen ihre Fähigkeiten am hilfreichsten und effektivsten einsetzen können, um zum Überwinden der Klimakrise beizutragen, ist ein Fokus auf wirkungsvolle Verhaltensweisen zu setzen, das heißt, Verhaltensweisen, mit denen möglichst viele Treibhausgasemissionen vermieden werden können. Dabei könnten entweder die Auswirkungen eines Verhaltens auf den Klimaschutz, oder welches psychologische Potenzial gehoben werden kann, um die Aufnahme entsprechender wirkungsvoller Verhaltensweisen zu verbessern, leitend sein.

Um jedoch wirkungsvolle Verhaltensweisen angehen zu können, ist zunächst notwendig, dass Wissen darüber existiert, welche Verhaltensweisen dies sind – mit welchen Handlungen also etwa für Individuen besonders viel CO2 eingespart werden kann. Da dieses Klimawirksamkeitswissen hochkomplex ist und selbst einer gewissen Dynamik unterliegt, ist es bereits herausfordernd, bestehende Wissensbestände angemessen zu ermitteln und darauf aufbauend Interventionen zu entwickeln, wie mehr Menschen zu wirksamem Handeln gebracht werden können. Dabei können auch bestehende, fehlleitende Heuristiken und Mythen eine Rolle spielen, die selbst bei Menschen mit hoher Klimaschutzmotivation immer noch weit verbreitet sind. Angesichts dessen, dass die Bekämpfung des Klimawandels drängt, ist es jedoch umso wichtiger, hier wirkungsvolle Ansätze zu finden.

Es können folgende Themen im Rahmen einer Abschlussarbeit bearbeitet werden:

  • Die Weiterentwicklung und fortschreitende Prüfung einer Skala, mit der Klimawirksamkeitswissen ermittelt werden kann.
  • Eine experimentelle Prüfung, ob Aufklärung über bestehende Mythen und gängige Fehlannahmen einen Einfluss auf Verhaltensintentionen und Verhalten selbst ausüben.
  • Die empirisch geleitete Identifikation von Entscheidungsheuristiken, die zur Einschätzung Klimawirksamkeit relevant sind.

Stern, P. C. (2017). How can social science research become more influential in energy transitions? Energy research & social science, 26, 91-95.

Frick, J. (2003). Umweltbezogenes Wissen: Struktur, Einstellungsrelevanz und Verhaltenswirksamkeit [Dissertation]. Universität Zürich UZH, Zürich. https://doi.org/10.5167/uzh-163134

Gigerenzer, G. (2010), Moral Satisficing: Rethinking Moral Behavior as Bounded Rationality. Topics in Cognitive Science, 2, 528-554. https://doi.org/10.1111/j.1756-8765.2010.01094.x


Ansprechpartnerin: Martin Merten

 


 

Solidarität in der Klimakrise

Die zunehmende Dringlichkeit, den Klimawandel einzudämmen, macht es notwendig, neue Wege zu suchen, um die Menschen zu klimafreundlichem Handeln und zum Erhalt der Natur für alle zu motivieren - und um unsere gemeinsame Zukunft zu gestalten. Solidarität ist ein menschliches Ideal des Zusammenhalts, der Gleichheit und der Kameradschaft und damit ein wichtiger Grundsatz, um auch globale Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen. Neben einer umweltfreundlichen Einstellung könnte die Solidarität eine entscheidende Rolle bei der Ermöglichung klimafreundlichen Handelns spielen. Diese Betrachtung knüpft an umweltpsychologische Forschungstraditionen an, die pro-soziale und klimafreundliche Bemühungen gemeinsam betrachten.

Im Rahmen eines Dissertationsprojektes wurde vorgeschlagen, Solidarität der Konstrukt-Kategorie der Werte zuzuordnen und darauf aufbauend ihre Rolle im Klimaschutzengagement zu betrachten. Erste Ergebnisse zeigen signifikante positive Beziehungen zwischen Solidarität und Umwelteinstellungen, umweltfreundlichem Verhalten und kollektiven Wirksamkeitserwartungen. Vergleicht man Solidarität und umweltfreundliche Einstellungen als Prädiktoren für klimafreundliches Handeln, so hat Solidarität einen stärkeren Einfluss auf kollektive Wirksamkeitsüberzeugungen und klimafreundliche Investitionsentscheidungen. Jedoch ist dieser Forschungszweig noch neu und es bedarf einer Ausdifferenzierung und Sicherung der bisherigen Ergebnisse.

Folgende Themen stehen für Abschlussarbeiten zur Verfügung:

  • Eine empirisch basierte Untersuchung zu den individuellen Einflussfaktoren solidarischer Werte auf klimaschutzbezogene Verhaltensweisen, Überzeugungen oder Einstellungen bzw. die Einordnung von Solidarität als Wert in bestehende psychologische Modelle zum Erklären von Verhalten.
  • Eine empirisch basierte Untersuchung zur Unterscheidung oder auch Überlappung von solidarischen Werten zu anderen etablierten Wertekonzepten (Benevolence, Altruismus).
  • Die Entwicklung, Umsetzung und Evaluation eigener Interventionsvorhaben (oder anderer Techniken) zum Salientmachen bzw. Fördern solidarischer Werte.

Kastner, K. (2021). Solidarische Lebensqualität: Zum psychologischen Verständnis von Solidarität und ihrer Rolle für Transformationsengagement und Lebensqualität. [Dissertation] http://dx.doi.org/10.25673/64264

Schwartz, S. H. (2012). An overview of the Schwartz theory of basic values. Online readings in Psychology and Culture, 2(1), 2307-0919.

Klöckner, C. A. (2015). The psychology of pro-environmental communication: beyond standard information strategies. Houndmills, Basingstoke, Hampshire, New York: Palgrave Macmillan. Kapitel 8, S. 135-167, Kapitel 10, S.183-197.


Ansprechpartnerin: Karen Kastner


 

Soziale Identitäten in der Klimakrise

Während bereits zahlreiche Forschungsergebnisse zu der Rolle von Individuen in der Klimakrise vorliegen, wird auch die Möglichkeit diskutiert, die Klimakrise als ein kollektives Phänomen zu betrachten. Da neben individuellem Verhalten auch kollektives bzw. Gruppen-bezogenes Verhalten klimarelevante Wirkungen hat, kann relevant sein, soziale Identitäten, die sich auf heutiges Handeln oder um die Sorge zukünftiger Generationen beziehen können, zu untersuchen.

Soziale Identitäten beschreiben die menschliche Fähigkeit, sich als "Wir" und nicht nur als "Ich" zu definieren, was es Menschen ermöglicht, in Gruppen zu denken und zu handeln, was angesichts der Beschränkungen des Einzelnen, die Klimakrise einzuschätzen und wirksam auf sie zu reagieren, von entscheidender Bedeutung sein dürfte. Insbesondere die Identifikation mit einer Gruppe, die in ihr vorherrschenden Normen und Ziele und die kollektive Wirksamkeit(serwartungen) kommen als Determinanten der Bewertung der Umwelt sowie des klimafreundlichen Verhaltens im privaten und öffentlichen Bereich in Frage. Solche Prozesse werden von persönlichen und kollektiven Emotionen und Motivationen angetrieben, die sich aus der Beurteilung der jeweiligen Umwelt ergeben. Da einige der Modelle der Sozialen Identitätstheorie zu Umwelthandeln (z.B. SIMPEA) bislang noch kaum in ihrer Gesamtheit experimentell-empirisch geprüft wurden, bietet es sich an, eine solche Überprüfung vorzunehmen.

Hierzu können folgende Themen im Rahmen einer Abschlussarbeit bearbeitet werden:

  • Eine experimentelle Prüfung eines entsprechenden Modells (z.B. SIMPEA) unter Einbezug des Social-Dilemma-Ansatzes.
  • Eine empirisch basierte Untersuchung, inwiefern sich soziale Identitäten oder verwandte Prozesse auf die Unterstützung/Akzeptanz von Politikmaßnahmen im Klimaschutz auswirken.

Stern, P. C. (2017). How can social science research become more influential in energy transitions? Energy research & social science, 26, 91-95.

Frick, J. (2003). Umweltbezogenes Wissen: Struktur, Einstellungsrelevanz und Verhaltenswirksamkeit [Dissertation]. Universität Zürich UZH, Zürich. https://doi.org/10.5167/uzh-163134

Gigerenzer, G. (2010), Moral Satisficing: Rethinking Moral Behavior as Bounded Rationality. Topics in Cognitive Science, 2, 528-554. https://doi.org/10.1111/j.1756-8765.2010.01094.x


Ansprechpartnerin: Martin Merten

 

Letzte Änderung: 06.07.2022 - Ansprechpartner:

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