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\setcounter{section}{0}
# Multiple Regression


## Mathematische Grundlagen

Im Allgemeinen Linearen Modell (ALM) wird die in einer gemessenen Variable enthaltene Variabilität in verschiedene Varianzquellen zerlegt, wobei Fehlerterme (= Differenzen zwischen Datenpunkten und Modellvorhersage) als multivariat normalverteilt mit Erwartungswertparameter Null und einem sphärischen Kovarianzmatrixparameter angenommen werden:

\begin{equation} \label{eq:ALM}
y = X \beta + \varepsilon, \; \varepsilon \sim N(0, \sigma^2 I_n) \; .
\end{equation}

Hierbei ist $y$ ein beobachteter $n$-dimensionaler Datenvektor, $X$ eine festgelegte $n \times p$ Designmatrix, $\varepsilon$ ein nicht-beobachtbarer $n$-dimensionaler Fehlervektor und $I_n$ die $n$-dimensionale Einheitsmatrix.

Die wahren, aber unbekannten Parameter des ALMs, der $p$-dimensionale Betaparametervektor $\beta$ und der Varianzparameter $\sigma^2 > 0$, werden typischerweise mithilfe folgender Formeln geschätzt:

\vspace{-1em}
\begin{equation} \label{eq:beta-sigsqr-est}
\begin{split}
\hat{\beta}    &= (X^\mathrm{T} X)^{-1} X^\mathrm{T} y \\
\hat{\sigma}^2 &= \frac{1}{n-p} (y-X\hat{\beta})^\mathrm{T} (y-X\hat{\beta}) \; .
\end{split}
\end{equation}
\vspace{-0.5em}

Hierbei wird $\hat{\beta} \in \mathbb{R}^p$ als Betaparameterschätzer und $\hat{\sigma}^2 \in \mathbb{R}_{>0}$ als Varianzparameterschätzer bezeichnet.

Zum Zwecke der Modellevaluation (d.h. für Hypothesentests und Konfidenzintervalle) im ALM kann auf Grundlage der Modellparameterschätzer eine T-Statistik wie folgt berechnet werden:

\vspace{-0.5em}
\begin{equation} \label{eq:T}
T = \frac{c^\mathrm{T} \hat{\beta} - c^\mathrm{T} \beta_0}{\sqrt{\hat{\sigma}^2 c^\mathrm{T}(X^\mathrm{T} X)^{-1} c}}
\end{equation}

Hierbei sind $c$ ein $p$-dimensionaler Kontrastgewichtsvektor und $\beta_0$ ein Nullparametervektor gemäß Nullhypothese, die zusammen die Nullhypothese $H_0: \, c^\mathrm{T} \beta = c^\mathrm{T} \beta_0$ festlegen, während $\hat{\beta}$ und $\hat{\sigma}^2$ die ALM-Parameterschätzer darstellen.

Gemäß der Theorie der Frequentistischen Inferenz für das ALM folgt diese T-Statistik unter der Nullhypothese einer T-Verteilung mit einem Freiheitsgradparameter, der sich aus den Dimensionen der Designmatrix $n$ und $p$ ergibt:

\begin{equation} \label{eq:T-dist}
T \sim t(n-p), \quad \text{wenn } H_0 \text{ zutrifft} \; .
\end{equation}

Vollzieht man einen zweiseitigen T-Test der Nullhypothese, so ergibt sich der p-Wert

\begin{equation} \label{eq:p-val}
\text{p-Wert} = 2 (1 - \psi(|T|; n-p)) \; ,
\end{equation}

wobei $\psi(x; n)$ die kumulative Verteilungsfunktion (KVF) der t-Verteilung mit Freiheitsgradparameter $n$ ist.


## Analyse in R

Die Datei `FADE_SAME.csv` enthält den in der ersten Seminarsitzung vorgestellten Datensatz. Erklären Sie die Funktion des folgenden R-Codes:

\footnotesize
```{r, echo = T, eval = T, results = 'hide'}
# Daten einlesen
fname = 'FADE_SAME.csv'                             # Dateiname
D     = read.csv(fname)                             # Dataframe

# Variablen extrahieren
n     = 259                                         # Anzahl Personen in Studie A
y     = as.matrix(D[1:n,'memory.SAME'])             # Memory-SAME-Score dieser Personen
x1    = as.matrix(D[1:n,'age'])                     # Alter in Jahren
x2    = as.matrix(D[1:n,'memory'])                  # Gedächtnisleistung

# Designmatrix erzeugen
p     = 3                                           # Anzahl Spalten der Designmatrix
X     = matrix(rep(1,n))                            # erste Spalte: konstanter Regressor
X     = cbind(X, (x1>50))                           # zweite Spalte: Indikator-Regressor
X     = cbind(X,  x2-mean(x2))                      # dritte Spalte: kontinuierlicher Regressor
print(dim(y))                                       # Überprüfung Datenvektor
print(dim(X))                                       # Überprüfung Designmatrix
```
\normalsize


## Erste Programmieraufgabe

Überprüfen Sie mithilfe eines Hypothesentests, ob ein statistisch signifikanter Unterschied im Memory-SAME-Score zwischen der Gruppe der jungen Erwachsenen (18-35 Jahre) und der Gruppe der älteren Erwachsenen (>50 Jahre) besteht, wenn zugleich die Effekt von Gedächtnisleistung berücksichtigt wird. Gehen Sie dazu wie folgt vor:

- Bestimmen Sie die Parameterschätzer des durch \verb|y| und \verb|X| beschriebenen ALMs mithilfe der obigen Formeln. In R werden Matrizen mit \verb|t()| transponiert, mit `%*%` multipliziert und mit \verb|solve()| invertiert, sodass beispielsweise $(X^\mathrm{T} X)^{-1}$ durch `solve(t(X) %*% X)` berechnet wird.

- Legen Sie den Kontrastgewichtsvektor auf $c = \begin{pmatrix} 0 & 1 & 0 \end{pmatrix}^\mathrm{T}$ und den Nullparametervektor auf $\beta_0 = \begin{pmatrix} 0 & 0 & 0 \end{pmatrix}^\mathrm{T}$ fest. Der Spaltenvektor $\begin{pmatrix} 1 & 2 & 3 \end{pmatrix}^\mathrm{T}$ kann in R z.B. durch \verb|matrix(c(1,2,3), ncol = 1)| erzeugt werden.

- Ermitteln Sie den Wert der T-Statistik gemäß der obigen Formel. Hierbei bietet es sich an, den Zähler $c^\mathrm{T} \hat{\beta} - c^\mathrm{T} \beta_0$ und den Nenner $\sqrt{\hat{\sigma}^2 c^\mathrm{T}(X^\mathrm{T} X)^{-1} c}$ separat zu berechnen und dann zu dividieren. Die Wurzel wird in R mit \verb|sqrt()| berechnet.

- Ermitteln Sie den p-Wert gemäß der obigen Formel. In R heißt die kumulative Verteilungsfunktion der t-Verteilung \verb|pt()|. Informieren Sie sich über die Eingabeparameter dieser Funktion, um den p-Wert korrekt zu bestimmen.

- Geben Sie die Resultate ihrer Analyse aus. Sie sollten folgende Ergebnisse erhalten:

\footnotesize
```{r, echo = F, eval = T}

```
\normalsize


## Abbildung in R

Im nächsten Schritt sollen die Ergebnisse visualisiert werden. Erklären Sie den folgenden R-Code und die daraus resultierende Abbildung:

\footnotesize
```{r, echo = T, eval = F}
# Visualisierung
library(latex2exp)
par(
    family     = "sans",
    pty        = "m",
    bty        = "o",
    lwd        = 1,
    las        = 1,
    mgp        = c(2,1,0),
    xaxs       = "i",
    yaxs       = "i",
    cex        = 1.2)

# Punktwolken
plot(x2[x1<50], y[x1<50],
    pch        = 16,
    col        = "black",
    xlab       = "Gedächtnisleistung",
    ylab       = "Memory-SAME-Score",
    xlim       = c( 0.5, 1.0),
    ylim       = c(-3.5, 2.5))
points(x2[x1>50], y[x1>50],
    pch        = 16,
    col        = "gray80")

# Regressionsgeraden
y_hat          = X %*% beta_hat
lines(x2[x1<50], y_hat[x1<50],
    col        = "black")
lines(x2[x1>50], y_hat[x1>50],
    col        = "gray80")
legend("topleft", c("junge Erwachsene", "ältere Erwachsene"),
    lty        = 0,
    pch        = 16,
    col        = c("gray80", "black"),
    bty        = "n",
    cex        = 1)

# Speichern
dev.copy2pdf(
    file        = "Abbildungen/Multiple_Regression_1.pdf",
    width       = 9,
    height      = 9)
```
\normalsize

![Zusammenhang zwischen Memory-SAME-Score, Gedächtnisleistung und Altersgruppe.]("Abbildungen/Multiple_Regression_1.pdf"){#multiple-regression-1 fig-align="center" width=75%}


## Zweite Programmieraufgabe

Verändern Sie diesen Code nun so, dass den beiden Regressionsgeraden in der Abbildung erlaubt wird, verschiedene Anstiegsparameter zu haben. Gehen Sie dazu wie folgt vor:

\begin{itemize}

\item Benutzen Sie die R-Funktion \verb|polyfit()| aus dem Paket \verb|pracma|, um Offset- und Anstiegsparameter separat für die Datensätze der jungen (\verb|x2[x1<50], y[x1<50]|) bzw. älteren (\verb|x2[x1>50], y[x1>50]|) Erwachsenen zu berechnen. Der Grad des zu bestimmenden Polynoms muss auf 1 gesetzt werden.

\item Ersetzen Sie die Berechnung der prädizierten Daten \verb|y_hat| im vorangegangenen Code so, dass die Datenvorhersage für junge und ältere Erwachsene separat mit Ausgleichsgeraden der Form \verb|y_hat = b[1]*x2 + b[2]|, aber auf Basis ihrer jeweiligen Offset- und Anstiegsparameter erfolgt.

\item Erzeugen Sie die Abbildung wie oben. Sie sollten in etwa folgende Abbildung erhalten:

\end{itemize}

\footnotesize
```{r, echo = F, eval = F}

```
\normalsize

![Zusammenhang zwischen Memory-SAME-Score, Gedächtnisleistung und Altersgruppe.]("Abbildungen/Multiple_Regression_2.pdf"){#multiple-regression-2 fig-align="center" width=75%}


## Lückentext

Füllen Sie mit den in der Übung erzielten Ergebnissen den folgenden Lückentext aus und präsentieren Sie die Ergebnisse im Seminar:

\vspace{1em}
**Lückentext:** Die Regressionskoeffizienten werden auf __________, __________ und __________ geschätzt und der Varianzparameterschätzer ist __________. Dies bedeutet, dass der durchschnittliche Memory-SAME-Score in der Referenzgruppe der jungen Erwachsenen __________ ist, die durchschnittliche Abweichung hiervon in der Gruppe der älteren Erwachsenen __________ beträgt und sich der Score pro Einheit Gedächtnisleistung um __________ erhöht. Die T-Statistik für den Effekt von Altersgruppe (ältere vs. junge Erwachsene) beträgt __________. Die Anzahl der Freiheitsgrade beträgt __________, es ergibt sich ein p-Wert von __________. D.h., der Effekt von Altersgruppe ist __________ (negativ/positiv) und statistisch __________ (signifikant/nicht signifikant).
\vspace{1em}


## Mögliche Klausurfrage

Präsentieren Sie im Seminar folgende Klausurfrage und erklären Sie die richtige Antwort:

\vspace{1em}
**Frage:** $X \in \mathbb{R}^{n \times 3}$ und $\beta = \begin{pmatrix} \beta_0 & \beta_1 & \beta_2 \end{pmatrix}^\mathrm{T}$ seien die Designmatrix und der Betaparametervektor eines multiplen Regressionsmodells. Welche Nullhypothese wird durch die T-Statistik mit dem Kontrastgewichtsvektor $c = \begin{pmatrix} 0 & 1 & -1 \end{pmatrix}^\mathrm{T}$ getestet?
\begin{enumerate}[a)]
\item $H_0$: $\beta_1 - \beta_2 = 0$
\item $H_0$: $\beta_1 + \beta_2 = 0$
\item $H_0$: $\beta_1 = 0 \; \wedge \; \beta_2 = 0$
\item $H_0$: $\beta_0 = 0 \; \wedge \; \beta_1 = 1 \; \wedge \; \beta_2 = -1$
\end{enumerate}
\vspace{1em}


## Kinderwitz

Was versteht man unter einer Turbine?

\begin{turn}{180} 
Antwort: Nichts, ist ja viel zu laut.
\end{turn}